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     Letzte Aktualisierung: 21. 02. 16


Tipps für das Übersetzen lateinischer Texte


1. Hast du alle Verben - gibt's kein Grund zum "Sterben"

Keine andere Tätigkeit beherrscht den Lateinunterricht so sehr wie das Übersetzen lateinischer Texte. Daher ist es umso erstaunlicher, dass die Schüler oft dabei allein gelassen werden - ohne irgendeine Methodik des Übersetzens. Eben diese möchte ich hier "nachreichen". Meine Methodik stellt insbesondere Formen des Verbs (Verbalformen) in den Mittelpunkt. Daher beginnt jede Annäherung an einen lateinischen Text damit, die vorhandenen Verbalformen zu identifizieren.


2. Welche Verb-Gruppen gibt es?

Ich teile Verbalformen in drei Gruppen ein:

1) finite Verbalformen - diese sind solche, die konjugiert worden sind, wie z.B. laudo, daret, missus est.

2) Infinitive - diese sind oft Teil eines AcI. (Zu den Infinitiven möchte ich auch das Gerundium zählen, das ja quasi der deklinierte Infinitiv ist)

3) Partizipien (erst ab Klasse 8), und zwar solche, die Teil eines Participium Coniunctum oder eines Ablativus Absolutus sind. Sie haben keine Form von "esse" bei sich.


3. Welche "Satz-Arten" gibt es?

Aus den drei verschiedenen Verb-Gruppen ergeben sich drei verschiedene "Satz-Arten", welche sich durch das Vorkommen von Vertretern aus den drei Verbgruppen unterscheiden.

3.1 Satzt-Art " A"
Es befindet sich nur die erste Verb-Grppen , d. h. nur finite Verbformen im Satz.

Beispiel: Servi dominos magna voce vocant, dum Marcus et Claudia forum spectant.

3.1.1 Schritt: Einteilung in Haupt- und Nebensatz
Bei der Variante A ist höchstens ein Schritt nötig, bevor man mit der Übersetzung beginnen kann, und zwar die Einteilung in Haupt- und Nebensätze. Letztere erkennt man daran, dass sie durch eine Subjunktion (hier: dum (=während) eingeleitet sind. Weitere Subjunktionen sind: als,nachdem, wenn, weil, obwohl usw.

3.1.2. Übersetzung des Hauptsatzes
Für die Übersetzung von Hauptsätzen empfehle ich die Pendelschwungmethode: Man übersetzt zunächst das erste Wort (oft das Subjekt oder ein Adverb) oder Wortblock, pendelt dann zum letzten Wort des Satzes, wo gewöhnlich das Prädikat (finite Verbalform) steht und pendelt dann zurück zum zweiten Wort (bzw. Wortblock) des Satzes. Darauf geht man der Reihe nach vor.

1. Servi (= 1. Wort = Die Sklaven)
2. vocant (= letztes Wort, gewöhnlich das Prädikat = rufen)
3. dominos (= 2. Wort = die Herren)
4. magna voce (= 3. + 4. Wort, = mit lauter Stimme)

HS: Die Sklaven rufen die Herren mit lauter Stimme, ...

3.1.3. Übersetzung des Nebensatzes
Falls man noch einen Nebensatz entdeckt, übersetzt man diesen der Reihe nach. Dies nennt man auch lineares Übersetzen.

1. dum (=während)
2. Marcus (=Markus)
3. et (=und)
4. Claudia (=Claudia)
5. forum (=den Marktplatz)
6. spectant (=betrachten)

Ausnahme: Falls das Subjekt (hier: Marcus et Claudia) fehlen sollte, dann nimmt man es aus dem Prädikat (sie betrachten), das meistens am Ende steht. Man pendelt dann zurück zum 2. Wort und geht dann linear vor.

1. dum = während
2. Subjekt in "spectant" = sie
3. forum = den Marktplatz
4. spectant = betrachten

3.1.4 Was tun, wenn es doch nicht klappt?
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass die zwei vorgestellten Methoden vor allem die Reihenfolge des Übersetzens bestimmen, aber weniger hilfreich sind, wenn Probleme auftauchen (was ja vorkommen soll). In solchen Fällen sollte man sich vom Prädikat (das gewöhnlich an letzter Stelle steht) helfen lassen. Dieses stellt nämlich bestimmte Fragen bereit, derer man sich bedienen sollte. Zum Beispiel stellen sich bei dem Verb "geben (dare)" die Fragen "wer, "wem" und was". Man benötigt also nicht nur ein Subjekt, sondern auch ein Akkusativobjekt und eventuell auch ein Dativobjekt. Mit diesem Wissen dürften mehrdeutige Formen wie "deis" oder "amicae" keine Probleme machen.

 

3.2 Satz-Art "B"
Es befindet sich auch ein Infinitiv im Satz.

3.2.1 Infinitiv als Teil eines Acis
Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Aci zu identifizieren:

3.2.1.1 Über das einleitende Verb
Mit dem einleitenden Verb ist das Prädikat gemeint, wovon der Infinitiv abhängig ist.

Beispiel: Marcus dicit (=einleitendes Verb) Claudiam forum spectare.

Falls dieses einleitende Verb zur Gruppe der Kopfverben gehört, dann kann man (fast) davon ausgehen, dass ein Aci vorliegt. Zu den Kopfverben gehören Verben, die eine Tätigkeit ausdrücken, die von einem Teil des Kopfes ausgeführt wird:
Auge = sehen, betrachten, usw.
Mund = sagen, erzählen, usw.
Gehirn = denken, glauben usw., aber auch sich freuen

3.2.1.2 Über einen Akkusativ
In einem Aci muss logischerweise auch ein Akkusativ vorhanden sein. Falls dem so ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Aci vorliegt. Diesen nenne ich Subjekt-Akkusativ (oder kurz: SA), obwohl es eigentlich ein Widerspruch in sich ist (denn eigentlich kann nur ein Nominativ Subjekt sein). Aber wenn man den Aci mit einem Dass-Satz übersetzt, was ich jedem empfehle, dann wird der Akkusativ zum Subjekt dieses Dass-Satzes.

Marcus dicit Claudiam (=SA) forum spectare.
Markus sagt, dass Claudia (Subjekt des Dass-Satzes) den Marktplatz betrachtet.

Außerdem wird hier der Infinitiv des AcI (hier: spectare) zum Prädikat des "Dass-Satzes" (hier: betrachtet statt betrachten).

3.2.2 Infinitiv ohne Akkusativ
Dies bereitet in der Regel kaum Schwierigkeiten. In der Übersetzung wird man im Deutschen lediglich ein "zu" hinzufügen (z.B. Volare studet. = Er bemüht sich ZU fliegen.)

 

3.3 Satz-Art "C"
Es befindet sich auch ein Partizip im Satz.

Hier verweise ich auf die Pages "Das Wichtigste über das Participium Coniunctum" >>> und "Infos zum Abl. Abs." >>>

3.3.1 Sein oder Nicht-Sein (esse oder nich esse)?
Hier ist der erste Schritt, nach Formen von "esse" zu suchen. Steht ein Partizip vor "esse", dann wird daraus ein Infinitiv (z.B. laudatum esse = Infinitiv Perfekt Passiv- kommt nur im Aci vor, also hieße eine Übersetzung von "laudatum esse" etwa so: "dass Person X gelobt worden ist"). Wenn hinter dem Partizip irgendeine Form von "esse" (aber nicht "esse" selbst) folgt, dann handelt es sich um eine finite Verbalform: z.B. laudatus est = er ist gelobet worden - Perfekt Passiv, falls wie hier die Form von "esse" im Präsens steht. Wenn es sich aber um einen Imperfekt von "esse" (z.B. eram) handelt, dann liegt Plusquamperfekt Passiv (=er war gelobt worden) vor.
Nur wenn das Partizip ohne irgendeine Form von "esse" steht, hat man es mit einer Partizipialkonstruktion (Participium Coniunctum, kurz PC oder Ablativus Absolutus) zu tun.

3.3.2 Welche Partizipialkonstruktion liegt vor?
In diesem Fall (eine Form von "esse" ist nicht zu sehen) sollte man den Kasus (Fall) des Partizips bestimmen. Falls man einen Ablativ ausschließen kann, kann man auch einen Ablativus Absolutus ausschließen. Falls man dies nicht kann (weil das Partizp sowohl Dativ als auch Ablativ sein könnte, wie z. B. "deis" oder "populo"), dann betrachtet man das Prädikat des Hauptsatzes (finite Verbform) und überlegt, ob sich das Partizip auf ein Wort bezieht, das Teil des Hauptsatzes (z.B. als Subjekt oder Objekt) ist, und somit mit dem Hauptsatz verbunden (lateinisch: "coniunctum") ist. Falls dies der Fall ist, handelt es sich um ein PC. Das Bezugswort des Partizips im Ablativus Absolutus ist dagegen "losgelöst" ("absolutus") vom Hauptsatz, d.h. es besteht keine funktionale Verbindung zwischen HS und Abl. Abs.

3.3.3 Das Participium Coniunctum (PC)
Ein Participium Coniunctum hat oft noch Ergänzungen bei sich (wie z.B. Akkusativobjekt oder adverbiale Bestimmungen), die zusammen mit dem Partizip den Partizipialbereich des PC ausmachen.

"Magister filium <a matre adiutum> laudavit."

Der Partizipialbereich ist in diesem Beispiel mit <...> gekennzeichnet. An der KNG-Kongruenz zwischen" filium" und "adiutum" erkennt man, dass es sich bei "filium" um das Bezugswort des Partizips "adiutum" handelt. Nun wendet man die bekannten Übersetzungsmöglichkeiten an.
Beim PC gibt es 5 Möglichkeiten:
1) wörtlich [Der Lehrer lobte den von der Mutter unterstützten Sohn.]
2) Relativsatz [Der Lehrer lobte den Sohn, der von der Mutter unterstützt worden war.]

3) Unterordnung [Der Lehrer lobte den Sohn, weil / nachdem / obwohl er von der Mutter unterstützt worden war.]
4) Beiordnung [Der Sohn wurde von der Mutter unterstützt und dann / deswegen / trotzdem lobte der Lehrer ihn.]
5) Substantivierung [Nach / Wegen / Trotz der Unterstützung des Sohnes durch die Mutter lobte der Lehrer ihn.]

3.3.4 Der Ablativus Absolutus
Beim Ablativ Absolutus (Abl.Abs.) kommen nur die letzten drei Übersetzungsmöglichkeiten (3 - 5) in Frage.

Für diese drei Übersetzungsmöglichkeiten (3 - 5) gibt es folgende Sinnrichtungen: kausal (Grund, z.B. weil, deshalb, wegen), temporal (Zeit, z.B. als, danach, nach) und konzessiv (z.B. obwohl, trotzdem, trotz).

Hier findest du die passenden Übersetzungsaufgabe in Form eines interaktiven Lückentextes: >>>
Weitere Infos zu den Partizipialkonstruktionen findest du hier: >>>

Haec oratio brevis adiuvet! [Diese kurze Rede möge helfen!] :-)

 

 

Der Literaturminister rät: Trauen Sie keinem Zitat, das Sie nicht selbst aus dem Zusammenhang gerissen haben.